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How not to burn out being (becoming) a doctor, 

  • sofrei
  • 30. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Juli

 

Bei dem ersten Gespräch mit meiner motivierten, engagierten Mentee, die vom Ärztinnenbund (Deutscher Ärztinnenbund e.V. ) mit mir gematched wurde, zeigte sich, für sie wichtige Themen sind Resilienz, Burn out Prophylaxe, Vereinbarkeit von Beruf und Leben außerhalb des Berufes. Ich bin begeistert von dieser klugen, intelligenten, zielstrebigen und hochmotivierten jungen Studentin, die sich solche Gedanken macht, bevor die Tretmühle Klinik sie einmal durchwalkt und desillusioniert wieder ausspuckt. Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, das Schöne und Tolle an unserem Beruf zu leben und weiterzugeben und die Schattenseiten in möglichst erträglichen Grenzen zu halten.

Mich hat es motiviert, meine Gedanken und Erfahrungen dazu aufzuschreiben. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit und schon gar nicht auf DIE Erkenntnis. Ich freue mich über Kommentare, Ergänzungen und ganz viel Austausch und  Diskussion zu dem Thema.

 

1.        Kenne dein Warum

Und gib dich nicht mit der ersten Antwort zufrieden. Die 5-Why-Methode, die auf Toyoda Sakichi zurück geht, fragt 5 mal Warum, um bis auf den Kern zu kommen. Die 5 ist dabei nicht in Stein gemeißelt.

Warum willst du Ärztin werden?

   Weil ich Menschen helfen will!

Warum willst du Menschen helfen?

  Weil mir das ein gutes Gefühl gibt!

Warum gibt dir das ein gutes Gefühl?

  Weil ich dann Anerkennung bekomme!

Warum ist es wichtig für dich Anerkennung zu bekommen?

Schwierig, oder? Vor allem, wenn es in der Weiterbildung (und auch danach) regelmäßig an dieser Anerkennung fehlt und vom Außen abhängt. Also weiter mit der Suche, nach dem starken, intrinsischen Warum. Und weit in die Tiefe gehen. Was suchst du? Was willst du? Was treibt dich in harten Zeiten aus dem Bett?

Suche dein wahres Warum. Tief in dir, möglichst unabhängig von dem Außen. Hinterfrage dich immer wieder.  Anerkennung, Bewunderung, Wertschätzung, Geld ist alles Wichtig. Vielleicht geht es hier auch nicht tiefer. Vielleicht ändert sich dein Warum auch mit der Zeit. Ein überzeugendes wahres Warum hilft, durchzuhalten, wenn es gerade mal schwierig ist.  

In die gleiche Richtung geht die Frage nach den Werten.

 

2.        Welche sind deine Werte?

Wohin ist dein innerer Kompass ausgerichtet? Dabei geht es nicht um die Werte, die dir deiner Meinung nach gut zu Gesicht stehen, sondern auch wieder um das, was dich im tiefsten Inneren ausmacht.

Dabei besteht die Gefahr, sich durch limitierende Glaubenssätze einzuschränken. Daher ist es wichtig, sich immer wieder seiner Werte bewusst zu werden und diese auch regelmäßig zu hinterfragen. Auch Werte können sich im Laufe des Lebens ändern. Dabei sind Werte und Warum, die aus der Fülle kommen nachhaltiger, als Werte, die aus einem Mangel stammen.

Wer ständig gegen seine inneren Werte verstößt und sein Warum nicht mehr fühlen kann, wird ausbrennen und /oder zynisch werden.

 

3.        Enjoy the silence

Lerne, dein Nervensystem zu regulieren. Lerne Nichtstun auszuhalten (nein nicht am Handy scrollen oder lesen) wirklich Nichts. Gehe in die Natur (und lass das Handy zu Hause). Lerne schnelle Methoden, die in Phasen größter Anspannung (schwierige OP, kritischer Patient, Reanimation) funktionieren und Methoden, deren Anwendung länger dauert, die aber einen grundlegenden Effekt auf dein Erregungslevel haben und dir helfen zwischen Anspannung und Entspannung pulsieren zu können. Ein dauerhaft dysreguliertes Nervensystem kostet soviel Energie und frisst Empathie.


 

4.        Haushalte mit deiner Energie

Priorisiere deinen Schlaf, mach Feierabend, lass auch mal Sachen liegen, wenn es keine Reanimation ist. Die Arbeit, insbesondere in der Klinik, kennt kein Ende. Und gerade am Anfang will man sich auch beweisen. Aber um lange in dem System auszuhalten, muss man die Akkus auch regelmäßig wieder aufladen. Und wenn man sich immer zum nächsten freien Tag, zum Urlaub schleppt ist man irgendwann so tief erschöpft, dass man nicht mehr aus dem Bett kommt.

 

5.        Pflege dein soziales Umfeld

Und sorge dafür, dass es nicht nur aus Medizinern besteht. Soziale Kontakte sind einer der wichtigsten Resilienzfaktoren. Wer gibt dir Kraft, wer unterstützt dich? Und wessen Cheerleader bist du? Nimm, nein, schaffe dir Zeit für deine Liebsten und sei präsent in der gemeinsamen Zeit. Gerade Mediziner*innen werden durch Dienste und unvorhergesehene Ereignisse ganz unvermeidlich den einen oder anderen familiären Moment verpassen, daher ist es ganz wichtig, wann immer möglich, die Liebsten zu priorisieren (das erhöht auch das Verständnis der Liebsten dafür, wenn es mal nicht möglich ist).

 

6.        Lerne Neues, trainiere deine Skills, finde deine Stärken      

Sei offen, werde besser, trainiere deine Skills, so dass du in bestimmten Bereichen arbeiten kannst, ohne dass du dich bemühen musst. Was bringt dich in den berühmten Flow. Wobei vergisst du die Zeit. Und was macht dir keinen Spaß, vielleicht auch, weil du es nicht gut kannst? Auch die Zufriedenheit steigt und der Stress wird minimiert, wenn man Dinge tut, die man richtig gut kann. Lerne das Modell der grünen Kügelchen von Andreas Richter kennen. Das Modell beschreibt mit einem Glas grüner und roter Kügelchen die zur Verfügung stehenden und die verbrauchten (kognitiven) Kapazitäten. Je sicherer du dir deiner Fähigkeiten bist und je mehr du nach sinnvollen Standards arbeitest um so schonender kannst du mit deinen Ressourcen umgehen. Es ist sehr viel Wahres an dem platten Spruch: Stress macht doof. Zudem kostet Stress viel Energie.

 

7.        Zweifle nie an deinem Wert als Mensch

Du bist ein wundervoller und wertvoller Mensch. Und Menschen machen Fehler. Menschen sind nicht perfekt. Leider können Fehler in der Medizin schwerwiegende Folgen haben. Trotzdem bleibst du der gleiche wunderbare Mensch.

 

8.        Kenne das Second Victim Phänomen

 

Das Second Victim Phänomen beschreibt die Traumatisierung von Mitarbeitenden im Gesundheitssystem durch kritische Ereignisse in der Versorgung von Patient*innen. Der Begriff wurde im Jahr 2000 durch Albert Wu geprägt. Untersuchungen zeigen, dass 60 bis 90% des medizinischen Personals mindestens einmal ein derartiges Ereignis erleben. Das soll jetzt keine Angst machen, sondern die Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema lenken. Weil eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, es im Laufe des Berufslebens zu durchleben. Wichtig ist es dann, gut aufgefangen zu werden, wenn vorhanden gerne durch Peer Support. Dass keine Schuldzuweisungen erfolgen, sondern das ein unterstützendes Umfeld besteht. Wichtig ist es auch, ein unterstützendes Umfeld zu sein bzw. zu schaffen, wenn Kolleg*innen betroffen sind. Achtsam zu sein, wenn es zu solchen Traumatisierungen kommt und den Gefühlen Raum zu geben.

 

9.        Kenne und achte deine Grenzen      


              

             

Achte auf dich. Nimm dir regelmäßig Zeit für einen Check in. Fühle deine Gefühle. Achte auf Stresssignale wie Erschöpfung, schlechte Laune, Dünnhäutigkeit, Hautveränderungen, Haarausfall, Zyklusveränderungen usw. Nicht nur beruflich, auch privat darfst du Grenzen setzen und nach Unterstützung fragen. Akzeptiere, dass andere Menschen Dinge anders machen, statt lieber alles selbst zu erledigen, damit es genauso ist, wie du möchtest. Gerade wenn zur beruflichen Last irgendwann Kinder kommen, es sind beide Elternteile in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Familienarbeit und Haushalt läuft.

Und auch Ärzt*innen können krank werden. Kuriere dich aus. Schleppe dich nicht total krank zur Arbeit.

 

10.   Resilienz

Die 7 Säulen der Resilienz werden in unzähligen Artikeln beschrieben und ihre Kernaussagen finden sich auch in meinen Gedanken wieder:

-            Optimismus - „Die wahren Optimisten sind nicht überzeugt, das alles gutgehen wird. Aber sie sind überzeugt, dass nicht alles schiefgehen wird.“ (Friedrich Schiller), schrieb mir mein Lehrer damals in mein Poesiealbum

-            Akzeptanz – Manche Dinge liegen einfach komplett außerhalb von unserem Einfluss

-            Lösungsorientierung – Oft erst nach der Akzeptanz möglich

-            Verlassen der Opferrolle – Wieder handlungsfähig werden, neue Wege erschließen und auch mal eine untragbare Situation (beruflich, privat) verlassen

-            Aufbau von Netzwerken

-            Selbstfürsorge – Kommt oft viel zu kurz. Ist meiner Meinung nach die wichtigste Säule um ein (Berufs-)Leben lang gut durchzuhalten und hoffentlich auch noch etwas von der Zeit nach der Berufstätigkeit zu haben

-            Zukunftsorientierung – Hat sehr viel mit dem Warum und den Werten zu tun



Zusammenfassung:

Um als Ärztin oder Arzt nicht auszubrennen hilft es, zu fühlen, warum man diesen wunderbaren Beruf gelernt hat und die Kenntnisse unter den bestmöglichen Bedingungen anzuwenden, zu vertiefen und zu erweitern, eingebettet in ein wohltuendes soziales Umfeld mit Selbstfürsorge und Pflege der eigenen Gesundheit. Regelmäßige Reflexion und Nachjustieren, sich immer wieder anpassen, an neue Lebenssituationen und den Weg auch mal ändern sind dabei wichtige Bausteine. Wie die Medizin so entwickelt sich unser Leben immer weiter. Zum Glück ist die Medizin so vielfältig, dass sich immer wieder neue Möglichkeiten bieten, seinen Platz in diesem System zu finden.

 

 

 

 

 
 
 

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