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Back to work

  • sofrei
  • 16. Aug. 2020
  • 4 Min. Lesezeit

Leider ist Urlaub irgendwann auch wieder vorbei (ich würde es auch länger aushalten, obwohl ich meinen Job liebe) und man muss wieder zur Arbeit. Gleich 10 Tage am Stück und erstmal 7 Dienste. Und in der Zeit lag der Anfang vom August und damit die Umstellung des chirurgischen Teils der Notaufnahme. Mein Chef träumt immer noch von der interdisziplinären Notaufnahme und ein Schritt dahin ist die Integration der chirurgischen Assistenzärzte in einen Weiterbildungsabschnitt der komplett in der Notaufnahme im Schichtdienst geleistet wird. 5 Assistenten besetzen ein komplettes 3-Schicht-System zu bestimmten Zeiten mit Unterstützung durch die Kinderchirurgen. Jetzt sind die meisten chirurgischen Assistenten nun mal am liebsten im OP und nur wenige Leute mögen den Schichtdienst, zumal Bereitschaftsdienste besser bezahlt werden, so dass sich die Begeisterung in sehr engen Grenzen hält. Außerdem ist ein Assistent schon sehr wenig Manpower und wenn dieser mit einer aufwendigen Wundversorgung oder dem Einrenken von Gliedmaßen beschäftigt ist, warten die anderen Patienten eventuell sehr lange (ja, noch länger als bisher). Es gibt natürlich auch Vorteile: der Assistent ist wie gesagt nur für die Notaufnahme zuständig, heißt, er verschwindet nicht auf Station oder in den OP. Bisher war es so, dass man den chirurgischen Kollegen gebeten hat, einen Patienten mit anzuschauen, der hat es versprochen und vielleicht auch schon geschaut und war dann aber im OP und der Patient musste auf den Chirurgen warten. Das funktioniert besser, wenn der Chirurg immer vor Ort und für alle chirurgischen Fragen zuständig ist. Die Entscheidungsträger sind allerdings immer noch oft unerreichbar im OP. Auch hatte ich das Gefühl, wenn ich früher allein Sprechstunde gemacht habe, habe ich stringenter gearbeitet und hatte dafür aber auch die volle Unterstützung der MFAs. Wenn eine Kollegin da war, habe ich bei bestimmten Patienten doch mal einen Moment gezögert und gehofft, dass die Kollegin, denjenigen zuerst aufruft. Auch fiel es mir leichter, den Patienten eine Zeitbegrenzung zu geben, wenn ich allein war.

Es wird sich einspielen und wir werden sehen, wo es Probleme gibt und was sich verbessern lässt.

Montag fing erstmal ganz ruhig an, zu ruhig. Wir waren eine Oberärztin, ein Assistenzarzt, eine PA und zwei Famulanten. Es war so ruhig, dass sich teilweise zwei Leute um einen Patienten gekümmert haben und ich nur administrativ tätig war. Trotzdem kam irgendwann der Moment, in dem wir komplett übergelaufen sind. Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell das gehen kann. In einem Moment ist noch alles im Griff, alle Patienten sind gesehen und warten nur noch auf ein Bett, Laborergebnisse, eine Bildgebung oder eine Entscheidung der aufnehmenden Station und im nächsten sind da auf einmal 10 ungesehene Patienten, alle Untersuchungsräume und der Flur voll. Dann geht es auch immer mit den Patienten, die schon fast fertig sind, nicht mehr weiter und man weiß gar nicht, wohin mit den ganzen neuen Patienten. Ich habe immer noch nicht verstanden, warum das immer wieder passiert und was man dagegen tun kann.

Auch Freitag kam wieder der Moment, in dem der Patientenansturm nicht mehr zu bewältigen war. Zudem hatte sich der Spätdienst der Chirurgen krankgemeldet. Daher mussten der Frühdienst und der Nachtdienst gleich schon 12 Stunden arbeiten. Ich weiß nicht, ob das rechtmäßig ist, aber eine andere Lösung hätte ich auch nicht parat.

Es kommen gerade auch wieder vermehrt Patienten, die als „gelbe“ Patienten angekündigt werden, also schon krank, aber nicht vital bedroht, die wir direkt in den Schockraum nehmen und intubieren müssen, weil es ihnen so schlecht geht. Ich persönlich finde, dass ein Patient der 15 l Sauerstoff benötigt per definitionem ein „roter“ Patient ist. Und bevor ihr fragt, ja, wir sehen wieder mehr Coronafälle. Es kommen wieder mehr Patienten und wir haben wieder regelmäßig positive Testergebnisse. Und die Hitze ist auch ein Thema, Kreislaufkollaps, Exsikkose und viele ältere Patienten im Nierenversagen.

Dienstag kamen zwei Schockräume parallel und es gab wieder mal kein Intensivbett. Die Notärztin wollte verständlicherweise lieber bei uns intubieren als im Pflegeheim. Nur leider gehört dann dazu die Verkabelung und Kanülierung, die weitere Stabilisierung, das Aufrechterhalten der Narkose und Beatmung und parallel die Suche nach dem externen Intensivbett. Das alles bindet viele Leute und alles andere muss so lange warten. In den Situationen merke ich auch, dass meine Intensivzeit lange her ist und ich mit ZVK und Arterie nicht mehr so richtig in Übung bin (machen wir zu selten), von der Beatmung nicht zu reden. Da hat auch in meiner Intensivzeit die Pflege mehr Ahnung gehabt als ich und aufgepasst, dass ich da keinen Quatsch mache.

Meine Superkraft ist, dass ich im Chaos lange den Überblick behalte, weiß, welche Patienten da sind, wie die heißen und was der angebliche Grund ist, dass sie da sind. Dass ich meistens richtig priorisiere und flott und gründlich arbeiten kann. Eher die gleichzeitige Bewältigung vieler Patienten, als die Konzentration auf den einen Intensivpatienten. Das ist eher Svens Ding. Seine Superkraft ist Anästhesist. Sybilles Superkraft ist das schnelle und schmerzlose Rauskomplimentieren der nicht Kranken, Verlegen der Kranken und auch das Erkennen, der ganz schlechten Patienten und Andrea ist der Kardiocrack und nach Sven die Beste für schlimme Notfälle, vorzugsweise kardiologische.

Eine lustige Zuweisung hatten wir auch letzte Woche: Abdomen penetrierend also eigentlich Messer, Speer, Stahlstange oder ähnliches im Bauch hat eine offene Wunde verursacht. Hinten stand dann allerdings, dass wohl eine OP-Narbe aufgegangen sei und Darmschlingen frei liegen. Ein Anruf bei der Leitstelle ergab, dass der Patient bei uns operiert wurde, wir bekamen auch einen Namen und wunderten uns, dass die letzte OP bei uns im Haus 2012 gewesen ist, das geht eigentlich keine Narbe mehr auf. Letztendlich war es ein künstlicher Darmausgang, der sich etwas rauswölbte, aber tadellos funktionierte. Warum kein Auffangbeutel drüber klebte, konnte der Herr auch nicht erklären.

Nun hatte ich ein freies Wochenende mit Tagdienst am Freitag. Auf dem Heimweg sah ich zu meinem Erstaunen, dass sich der ausgetrocknete Liederbach in einen reißenden Fluss verwandelt hatte. Ich bekam auf dem Heimweg nasse Füße, weil auch auf dem Feldweg Wasser stand. An allen Brücken war die Feuerwehr beschäftigt und ich musste einen größeren Umweg fahren, weil der Weg am Liederbach nach Münster komplett unter Wasser stand. Auch wir hatten Wasser in der Garage, im Zimmer meiner Tochter und bei den Nachbarn war der Keller vollgelaufen. Diesmal hat uns das Unwetter erwischt. Außerdem hat mich ein Hexenschuss erwischt, ich quäle mich seit Freitag mit echt fiesen Rückenschmerzen und kann mich kaum bewegen. Nach 10 km Wanderung ist es gerade etwas besser, aber ich bin noch nicht schmerzfrei. Mein Mann hatte einen juckenden Ausschlag, so dass ich heute auch noch die Notdienstapotheke aufsuchen musste. Und jetzt ist das Wochenende schon wieder fast vorbei.

 
 
 

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