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Von 0 auf 180 in nicht mal 2 Wochen

  • sofrei
  • 6. März
  • 3 Min. Lesezeit

Die ersten Tage danach war ich noch tiefenentspannt. Nach einem herzlichen Empfang am Flughafen mit Plakat und einem tollen Frühstück hatte ich das Wochenende, um langsam wieder zu Hause anzukommen.

Ich blieb entspannt, als es am Montag und Dienstag nur eine MFA gab, (unsere liebe 50%  Kraft, die aktuell über sich hinauswächst), als es Mittwoch und Donnerstag kaum Betten, aber dafür unendlich viele Infuenza-positive Patienten gab. Freitag zeigte sich, dass es in der Praxis sobald keine Entspannung der Personalsituation geben würde und viele Aufgaben der MFAs von uns würden erledigt werden müssen. Es war, wie ich es mir gewünscht hatte, die Patientenkontakte machten total viel Spaß und mich konnte fast nichts aus der Ruhe bringen. Nur als sich das Verbinden meines Laptops mit dem tollen neuen Smartboard als schwierig erwies, war ich etwas genervt. Der Vortrag über meine Zeit in Griechenland lief dann aber trotzdem.

Samstag kam die ganze Familie um meinen Geburtstag nachzufeiern und meine Erkältung begann. Sonntag blieb ich bis auf den Hundesparziergang und einen alkoholfreien Glühwein auf der Hütte im Bett und Montagmorgen quälte ich mich auf die Arbeit. Ich bat meinen Chef dann aber, die Nachmittagstermine abzusagen. Ich ging ins Bett und da blieb ich bis Donnerstag, ich wollte mich soweit wieder herstellen, dass ich meine Wochenend-dienste machen konnte. Donnerstag wurde es ganz langsam etwas besser und Freitag arbeitete ich wieder. Und tappte prompt in die Stressfalle. Es war extrem voll und obwohl es Betten auf den Stationen gab, war der Abfluss zäh. Röntgen und PCR auf Covid, Influenza und RSV dauerten ewig. Und ich machte alles falsch, was man nur falsch machen kann. Ich trank zu wenig und machte keine Pausen. Keine Mikropausen und keine richtige Pause. Mein Mittagessen aß ich abends. Und zu allem Überfluss ließ ich mich durch einen blöden Spruch total triggern und habe sehr viel Energie damit verschwendet, mich darüber zu ärgern.  Der Dienst am Samstag war okay,  die Besetzung tagsüber war tatsächlich traumhaft, nur der Nachdienst wurde sehr gebeutelt und entsprechend oft telefonierten wir nachts. Auch der chirurgische Nachtdienst hatte ein Anliegen, ein Patient, den mal wieder keiner haben wollte, der aber auch nicht zurück nach Hause konnte. Dieses Problem wollte ich dann aber am nächsten Morgen lösen.


Der Morgen begann mit einem Schockraum, so dass ich nur schnell wählen ging und dann in die Klinik  fuhr. Der Schockraumpatient ging stabil in die Endoskopie, brauchte dann aber ein externes Intensivbett. Der Patient, mit der Verschlechterung seiner Multiplen Sklerose und nicht mehr gewährleisteten häuslichen Versorgung durfte nach einer gezielten Mischung aus Drohung und Schmeichelei auf eine Station.


Es liegen sehr viele Patienten auf den Stationen, bei denen es zu Hause nicht mehr klappt, die sich aber weigern, ihr vertrautes aber nicht mehr geeignetes zu Hause zu Gunsten eines Pflegeheims, eines betreuten Wohnens oder auch einfach nur einer altersgerechten Wohnung zu verlassen oder die es sich schlichtweg nicht leisten können. Oder sie finden keinen Platz. Wer noch nicht genug Angst hat, vor dem Mangel an Pflegenden, sollte sich unbedingt den Film „Heldin“ anschauen. Da kriegen wir die nächsten Jahre richtig Probleme.


Am Abend gab es wieder einen intensivpflichtigen Patienten, für den es kein Bett gab. Zudem sprach der Patient nach einem Schlaganfall fast gar nicht und seine Frau nur russisch und war auch ohne eine Nummer zu hinterlassen verschwunden. Die Leitstelle hatte ein Einsehen und gab mir die Nummer, die für den Patienten alarmiert hatte und zu einer Sozialarbeiterin gehörte. Dadurch kamen wir dann doch an dringend erforderliche Informationen. Ich bin dann nochmal reingefahren und habe geholfen, bis alles geklärt und der Patient verlegt war.


Meine Entspannung habe ich an diesem Wochenende leider schon wieder verloren. Ich gehe mal auf die Suche…. Zwei Konzepte können mir vielleicht helfen, zum einen das der Akzeptanz. Nicht dass das System oder die Situation okay ist, aber um meine Energie für die Sachen aufzusparen, die ich in der Hand habe. Weder an fehlenden Intensivbetten noch an Kollegen, die bereits innerlich gekündigt haben, kann ich etwas ändern. (Danke an Susanne Löffner und die Stethoskop-Rebellinnen).


 Das zweite ist das „Eat that frog- Prinzip“, welches besagt, dass man die unangenehmste wichtige Aufgabe einfach zuerst erledigt, denn auch das setzt, wenn es getan ist, sehr viel Energie frei (Eat that Frog, Brian Tracy, 22. Auflage 2023).


Beides macht für mich ganz viel Sinn, so dass ich da jetzt versuche, in die Umsetzung zu kommen.

 

 

 
 
 

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