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Ein neues Lager und viele Patienten

  • sofrei
  • 27. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Sintiki 2

Früh morgens hat Erik erstmal einen Kuchen besorgt.

Auch heute war es wieder eine weite Fahrt und auf den Bergen lagen immer noch die Schneereste. Als wir angekommen sind, hat uns die beißende Kälte erstmal buchstäblich den Atem geraubt. Es war einfach mal 10° kälter.

Wir wurden wieder extrem freundlich empfangen, allerdings gab es heute keine englischsprachige Mitarbeiterin in dem Camp. Wir verstauten den Kuchen im Kühlschrank und begannen mit der Sprechstunde, die sich zügig füllte. Erkältung war heute ein großes Thema, bei Erwachsenen, bei kleinen Kindern, alle husten. Und Skabies war ein Dauerthema. Dazu Zahnschmerzen, Magenschmerzen, Bluthochdruck und vieles mehr. Spannend wurde es, als uns ein 8-jähriges Mädchen mit Pigmentstörung am ganzen Körper und auch die Haare betreffend mit ganz vielen grauen Haaren vorgestellt wurde. Die Mutter wollte ein Medikament, da das arme Mädchen von den anderen Kindern ganz schlimm gehänselt wird. In der Türkei wurde sie wohl mit Artischockensaft behandelt und es habe auch schon eine Blutuntersuchung gegeben, leider lag das Ergebnis dazu nicht vor. Wir haben eine pädiatrische und psychologische Anbindung empfohlen und die Frage mal an uns bekannte Pädiater*innen und Dermatolog*innen weitergegeben. Das arme Kind litt vor allem sehr unter den Hänseleien.

Ganz am Ende der Sprechstunde kam noch ein Säugling, dessen Mutter berichtete, dass er seit 3 Tagen Durchfall habe und „verändert“ sei. Wir haben ihn durch die Untersuchung gar nicht wach bekommen und unsere Alarmglocken gingen an. Auf jeden Fall wollten wir eine Kontrolle in der Klinik, das wollte die Mutter aber partout nicht. Erst mit Hilfe des Vaters konnten wir sie überreden, aber das Kind war so schlapp, dass wir uns wirklich Sorgen gemacht haben.

Es war wieder schwierig, weil die Lage des Camps so schwierig ist und es für viele nur eine Durchgangstation ist. Zudem war die Kommunikation ohne englischsprachige Campmitarbeiter*innen extrem schwierig. Sintiki kostet uns wirklich extrem viel Kraft, da half auch die leckere Red Velvet Torte nur bedingt.


Abends waren noch lecker essen in Thessaloniki und gönnten uns zur Feier des Tages ein alkoholfreies Bier.

 

Nea Kavala III

In Nea Kavala wurden wir am nächsten Tag wieder herzlich begrüßt. Wir hatten mal Rollen getauscht, ich dokumentierte und Erik untersuchte. Der Regen trommelte auf den Container und die Sprechstunde ging so ihren Gang, als Anna mich bat, ihr in einem anderen Container etwas zu helfen. Da traf ich wieder auf den Patienten, der uns beim vorletzten Mal soviel Zeit und Nerven gekostet hatte, weil er am Ende seine Medikamente ablehnte, da er sich sie nicht leisten könne. Inzwischen hatte er Nasenbluten gehabt und das hatte ihm wohl einen Schrecken eingejagt. Auch der Blutdruck war wieder hoch und tatsächlich ließ er sich überreden, zunächst Blutdruckmedikamente aus unserem Vorrat zu nehmen um dann zu überlegen, wie es weitergehen könne. Wir mussten nur aufpassen, dass es kein Durcheinander gab, wenn wir gleichzeitig verschiedene Dinge machen sollten.

Da wir an dem Tag noch nach Filippiada fahren mussten, wollten wir die Sprechstunde gerne etwas früher beenden, aber auch hier gilt streng Murphys Gesetz und die letzten Patienten sind nochmal extra aufwändig. Und auch die Regel, dass Patienten mehr als eine akute Erkrankung haben können, kam hier zum Tragen. In dem Fall Skabies und eine sexuell übertragbare Krankheit.

Mit ein wenig Verspätung und einem großen Verlangen nach Koffein machten wir uns auf den Weg. Beim Versuch, mein Handy am Autoradio zu laden, entdeckten wir, dass es uns so endlich gelang, Musik vom Handy abzuspielen und so kam meine Spotifyplaylist zum Einsatz. Bisherige Versuche über Bluetooth hatten nicht funktioniert und auch normale Radiosender verließen uns in der Regel schnell, wegen schlechtem Empfang. Wir hatten uns daher mit Eriks kleiner Box und den Top 500 gekürt vom Rolling Stone Magazin beholfen, aber über die Boxen des Autos war die Qualität natürlich deutlich besser.

Nach dem wir auch das Koffeinproblem gelöst hatten, war ich dran mit fahren. Bis es mir zu dunkel und zu nebelig wurde. In den Bergen lag weiterhin Schnee und manchmal wurde der Nebel richtig dicht. Um kurz vor 19.00 Uhr waren wir endlich in Filippiada.

 

Filippiada II

Es war ein schönes Wiedersehen in Filippiada und auch die Sonne war wieder da. Wir bezogen wieder unseren Container und machten uns bereit.

Auch heute kamen wieder viele Familien mit mehreren Kindern zum Impfen. Bei einer Familie wollten wir parallel mit den beiden großen Mädels anfangen, die auch noch jeweils zwei Impfungen bekommen sollten. Leider synkopierte mir mein Impfling während der zweiten Impfung und ich konnte sie nur noch auffangen, hinlegen und die Beine hochnehmen und auch Eriks Impfling wurde es blümerant. Wie haben dann erfahren, dass sie noch nichts gegessen hatten und doch sehr aufgeregt gewesen waren. Die anderen drei Kinder der Familie hatten jetzt etwas Bedenken. Wir päppelten die Großen mit etwas Wasser und ein bisschen Banane auf und schickten die Familie erstmal frühstücken. Später konnten wir die restlichen Kinder problemlos impfen. Nur die Kleinste, die lustigerweise einen griechischen Vornamen bekommen hatte (soweit zu fehlendem Integrationswillen) hat etwas geweint. Wir hatten aber gelernt und fragten die nächsten Impflinge immer, ob sie gefrühstückt hatten.  

Wir sahen insgesamt 44 Patienten an diesem Tag in Filippiada. Manche, die wir bereits vom letzten Mal kannten und erfuhren so, dass wir ein Handekzem erfolgreich behandelt hatten. Leider gab es für den Jungen mit dem Cochleaimplantat oder dem kleinen Mädchen mit dem Hirnschaden noch nichts Neues zu berichten.

Wir verließen das Lager mit einer Stunde Verspätung wegen dem hohen Patientenaufkommen. Drei reizende Hundewelpen spielten in der Sonne und hätten nach meinem WhatsApp-Video sofort zahlreiche Adoptionswillige gefunden.

Durch wunderbare Landschaft fuhren wir in die zauberhafte Stadt Ioannina um unser nächstes Lager kennenzulernen.

 

Ioannina

Nach kurzer Fahrt kamen wir zum Lager. Hier mussten unsere Taschen mal wieder durch eine Sicherheitskontrolle und im nächsten Container mussten wir die Ausweise vorzeigen und beim Kommen und Gehen unterschreiben. Wieder war der Empfang sehr herzlich und wir bezogen einen gut ausgestatteten Container. Eine junge, sehr motivierte Nurse blieb bei uns. Jedes Lager hat seine Herausforderungen und in Ioannina ist es das schlechte Internet und viele Bewohner, die Sprachen sprechen, für die es keinen Dolmetscher gibt und auch der Google Übersetzer an seine Grenzen stößt.

Unser Rechner stellte dann auch noch das Arbeiten wegen leerem Akku ein, so dass Erik die Patienten schließlich am Handy eingeben müsste. Für das schlechte Internet hatten wir extra eine Offline Tabelle gemacht, um die Daten im Zweifelsfall später kopieren zu können, aber der leere Akku hat uns etwas kalt erwischt.

Da es in Ioannina eine Pädiaterin gibt, behandeln wir hier keine Kinder. Die Sprechstunde lief, von diesen kleineren Schwierigkeiten abgesehen hier ziemlich reibungslos.

In der Zwischenzeit war auch der Plan für die folgende Woche gekommen:

Montag Jugendshelter in Volos mit geplanter Anreise am Sonntag. Wie ungünstig, wo doch mein Lieblingsehemann an diesem Wochenende zu Besuch kommen würde. Allerdings schrieb Marina, falls wir nicht Sonntag schon fahren wollten, sollten wir uns bei ihr melden.

Weiterhin standen Dienstag Nea Kavala, Mittwoch Sintiki, Donnerstag frei und Freitag nochmal Nea Kavala auf den Plan.

Zum Glück erklärte sich Erik bereit, erst Montag zu fahren, auch wenn es ein anstrengender Ritt werden würde.

Der zweite Tag verlief sehr ähnlich, das Patientenaufkommen war aber deutlich geringer. Und immer wieder die sprachlichen Herausforderungen. Es dauerte 45 Minuten um einem jungen Somalier mit Hilfe eines Übersetzers am Telefon zu erklären, dass er zur Weiterbehandlung seines gebrochenen Beines und insbesondere zur Gipsabnahme und Kontrolle ins Krankenhaus musste, zumal er keinerlei Unterlagen zur erfolgten Behandlung und dem geplanten Procedere dabei hatte.

Die Anbindung an das lokale Gesundheitssystem scheint trotz der Nähe zu Ioannina sehr schwierig zu sein. Auch die Medikamente für die chronisch Kranken sind wohl sehr schwer zu bekommen.

Zurück in der Wohnung erwartete uns ein unfreundliches Piepsen, welches uns mitteilte, dass das Öl alle war und somit die Heizung aus uns es auch kein warmes Wasser gab. Ich hatte mir genau das richtige Wochenende ausgesucht, um 3 Tage auszuziehen.

 

 

 

 

 
 
 

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